Begriffserklärungen

 

Was ist eine Einzelgabe?

Eine Einzelgabe ist die Anwendung eines Wirkstoffs bei einem Tier an einem Tag. Hieraus kann die Summe aller Einzelgaben in einer beobachteten Population (Tiergruppe) über einen Beobachtungszeitraum errechnet werden.

Summe der Einzelgaben = Anzahl behandelte Tiere x Anzahl Behandlungstage x Anzahl Wirkstoffe

Beispiel 1:  Es werden 100 Tiere über 5 Tage mit einem Monopräparat (z.B. Tetrazyklin) behandelt. Daraus folgt: 100 Tiere x 5 Tage x 1 Wirkstoff = 500 Einzelgaben

Beispiel 2:  Es werden 100 Tiere über 5 Tage mit einem Kombinationspräparat (z.B. Penicillin und Streptomycin) behandelt. Daraus folgt: 100 Tiere x 5 Tage x 2 Wirkstoffe = 1000 Einzelgaben

Wird ein Medikament mehr als einmal täglich verabreicht, so wird dies dennoch als einmalige Anwendung betrachtet. Erfolgt die Anwendung über Futter oder Wasser, so stellt die gesamte Tagesration eine Einzelgabe dar.

 

Wie wird die Therapiehäufigkeit berechnet?

Die Therapiehäufigkeit gibt an, an wie vielen Tagen ein Tier in einem Bestand im Durchschnitt mit einem Wirkstoff behandelt wird, d.h. wie viele Einzelgaben ein Tier im Bestand im Durchschnitt erhält. Sie ist unabhängig von den verabreichten Mengen bzw. Dosierungen und berücksichtigt ausschließlich die Anwendungstage von Wirkstoffen bzw. die Einzelgaben.

Die Therapiehäufigkeit wird nach folgender Formel berechnet:  

Therapiehäufigkeit = Summe der Einzelgaben / betreute Tiere im Bestand

Bei der Interpretation der Therapiehäufigkeit muss darauf hingewiesen werden, dass sich die Therapiehäufigkeit immer auf einen konkreten Zeitraum bezieht. Dies kann ein festgelegter Zeitraum sein (z.B. ein Berichtszeitraum vom 1.01.2013 bis zum 30.06.2013), oder aber die Therapiehäufigkeit bezieht sich auf einen definierten Durchgang bei Tierarten/Nutzungsarten wie z.B. Masthühner oder Mastschweine über 30 kg Körpergewicht mit mehr als einem Durchgang pro Betrieb und Jahr.

Beispiel 1: Behandlung von 100 der insgesamt 500 Schweine in einem Betrieb über 5 Tage mit einem Monopräparat (z.B. Tetrazyklin):

Therapiehäufigkeit = (100 Schweine x 5 Tage x 1 Wirkstoff)/500 Tiere = 1, d. h. jedes Tier des Bestandes wird im Durchschnitt an einem Tag mit einem Wirkstoff behandelt.

Beispiel 2: Behandlung von 100 von 500 Schweinen über 5 Tage mit einem 2er Kombinationspräparat (z.B. Penicillin und Streptomycin):

Therapiehäufigkeit= (100 Schweine x 5 Tage x 2 Wirkstoffe)/500 Schweine = 2, d. h. jedes Schwein des Bestandes wurde im Durchschnitt an zwei Tagen mit einem Wirkstoff behandelt.

Beispiel 3: In einem Betrieb werden 100 Mastschweinen ein halbes Jahr lang gehalten. Zunächst werden alle Tiere über fünf Tage mit einem Monopräparat behandelt. Vier Wochen später werden von diesen 100 Mastschweinen noch einmal 25 Tiere über 3 Tage mit einem Monopräparat behandelt.

Therapiehäufigkeit :     (100 Schweine x 5 Tage x 1 Wirkstoff)/ 100 Tiere = 5

                                      (25 Tiere x 3 Tage x 1 Wirkstoff)/100 Tiere = 0,75

Addiert ergibt sich daraus eine Therapiehäufigkeit von 5,75 für dieses Halbjahr.

 

Was ist die Bestandszeit?

Die Bestandszeit stellt die Summe der Lebenszeit (in Tagen) aller Tiere im Bestand über einen definierten Zeitraum dar (Einheit = (Tier-) Tage). 

Beispiel: In einem Masthähnchen haltenden Betrieb werden 10.000 Tiere über einen Zeitraum von 35 Tagen gehalten. Anschließend werden 2.000 Tiere ausgestallt, die übrigen Tiere verbleiben weitere 5 Tage im Bestand. Daraus ergibt sich für den Zeitraum von 40 Tagen eine Bestandszeit von:

(10.000 Broiler x 35 Tage) + (8.000 Broiler x 5 Tage) = 390.000 (Tier-)Tagen

 

Was ist die Therapiedichte?

Die Therapiedichte errechnet sich aus der Summe der Einzelgaben bezogen auf die Bestandszeit. Bei der Berechnung der Therapiedichte werden die Leerzeiten sowie Zeiten unterschiedlicher Belegung in einem Bestand mitberücksichtigt. Hier sind detaillierte Informationen zu den Durchgängen eines Betriebes erforderlich.

Therapiedichte = Summe der Einzelgaben / Bestandszeit

Beispiel: In einem Masthähnchen haltenden Betrieb werden 10 000 Tiere über einen Zeitraum von 35 Tagen gehalten. Anschließend werden 2000 Tiere ausgestallt und die verbleibenden Tiere weitere 5 Tage gehalten. Im ersten Teil der Mastperiode werden sämtliche Tiere für 7 Tage mit einem 2er-Kombipräparat behandelt.

Therapiedichte = (10 000 Broiler x 7 Tage x 2 Wirkstoffe)/390 000 (Tier-)Tage = 0,359

d. h. von 1000 Tiertagen wird im Durchschnitt an 359 Tagen ein Wirkstoff verabreicht.

 

Warum wird teilweise der Median, teilweise der Mittelwert angegeben?

Der Median ist bei der Aufreihung aller Zahlenwerte nach ihrer Größe der mittlere Wert.

Beispiel: Die Therapiehäufigkeiten von fünf Mastdurchgängen eines Betriebes lauten: 1, 3, 4, 7 und 15. Dann ist die Zahl 4 der mediane Wert.

Der Median ist im Vergleich zum Mittelwert robuster gegen Ausreißer. Eine einmalige hohe Therapiehäufigkeit fällt damit weniger stark ins Gewicht.

Bei der Berechnung des Mittelwertes werden alle Therapiehäufigkeiten eines Betriebes addiert und durch die Anzahl der Durchgänge dividiert.

Beispiel: Wie im obigen Beispiel lauten die Therapiehäufigkeiten von fünf Mastdurchgängen eines Betriebes: 1, 3, 4, 7 und 15. Dies ergibt eine Summe von 30, die durch die Anzahl der Mastdurchgänge (5) geteilt wird. Im Vergleich zum Median liegt die mittlere Therapiehäufigkeit mit dem Wert 6 daher höher.

 

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Tierärztin Svetlana Kasabova
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